Kurt Scharf (Februar – April 1928)

Portrait von Kurt Scharf, in: ELAB 7.3-64.

Biografisches

Dr. Kurt Franz Wilhelm Scharf wurde am 21.10.1902 in Landsberg/Warthe in ein liberal-humanistisches geprägtes Elternhaus hineingeboren. Nach einem Theologiestudium (1921-1925), das ihn nach Tübingen, Jena und Halle führte, absolvierte er sein Vikariat in Berlin-Dahlem. Für 3 Monate (Februar – April 1928) entsandte daraufhin das Konsistorium den jungen Pastor daraufhin nach Lautawerk. Dort sollte er die, nach dem Weggang von Fritz Müller vakant gewordene Pfarrstelle besetzen.

Weitere Stationen in der Laufbahn Kurt Scharfs waren seine Tätigkeit als Pfarrer in Friesack (1928-1933) und Sachsenhausen bei Oranienburg (1933-1945). Er gehörte der Bekennenden Kirche an und war einer der Mitbegründer des „Pfarrernotbundes“. Während der Zeit des Nationalsozialismus befand sich Scharf in Opposition zur NS-Herrschaft in der Kirche. Mehrfach geriet er mit dem NS-Staat in Konflikt, z.B. durch seinen Einsatz für Juden und andere Verfolgte des Regimes. Im KZ Sachsenhausen leistete er seelsorgerlichen Beistand für Inhaftierte. Die Konsequenzen waren Rede-, Schreib- und Aufenthaltsverbote, mehrfach angeordnete Schutzhaft sowie 1938 eine Suspension. Seine 1941 erfolgte Einberufung zur Deutschen Wehrmacht, ließ Scharf zum Kriegsteilnehmer werden.

Nach 1945 machte Kurt Scharf Karriere. Seine Laufbahn führte ihn bin in die höchsten Leitungsämter der Evangelischen Kirche: 1961 wurde er Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und 1966 Bischof der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg (EKiBB). Heute gilt er als eine der bedeutsamsten Figuren des deutschen Protestantismus während der Zeit des Kalten Krieges und der deutschen Teilung. Auch in dieser Zeit stand Scharf im Gegensatz zum SED-Regime der DDR. So setzte er sich etwa für politische Häftlinge ein, was unter anderem zu seiner „Aussperrung“ aus der DDR nach dem Mauerbau (1961) führte. Zeitlebens blieb Scharf ein unbequemer, kritischer Christ, wurde gar zu einer moralischen Instanz seiner Zeit. So wirkte er während der Studentenunruhen am Ende der 1960er Jahre vermittelnd oder besuchte die RAF-Terroristin Ulrike Meinhoff (1934-1976) im Gefängnis. Im Juni 1982 hielt er eine Rede vor der UN-Vollversammlung in New York. Kurt Scharf starb am 28.03.1990 in Berlin.

Vgl. Raupp, Werner: Art. Scharf, Kurt Franz Wilhelm, in: Neue Deutsche Biographie (NDB), Bd. 22, Berlin 2005, S. 569f.

Ein Biograf berichtet über Dr. Kurt Scharf und seine Zeit in Lautawerk:

„Seine erste Hilfspredigerstelle: Lautawerk bei Senftenberg in der Niederlausitz (…). Hier mußte eine Vakanzzeit von drei Monaten überbrückt werden; der bisherige Pfarrer war nach Berlin übersiedelt, und ein neuer Pfarrer mußte noch gewählt werden. Es war ein Ort mit einem großen Aluminiumwerk. Hier hatte er die Konfirmandengruppe auf die Konfirmation vorzubereiten. Zu diesem Kreis gehörten Kinder der Fabrikdirektoren, aber auch Kinder von Arbeitern. Viele dieser Arbeiter hielten sich zur Kirche; 1917 waren sie aus dem pietistischen Wuppertal zur hiesigen Fabrik gegangen und waren ihrer christlichen Tradition treu geblieben. Im Gemeindekirchenrat hatte ein Vorarbeiter eine wichtige Funktion. Kurt Scharf hat alle Konfirmandeneltern besucht. Da war keine Kirchenfeindschaft zu finden. Auch soziales Elend war selten.“

Zimmermann, Wolf-Dieter: Kurt Scharf. Ein Leben zwischen Vision und Wirklichkeit, Göttingen 1992, S. 19f.; Veränderungen M.P.S.

In der Chronik der Kirchengemeinde Lautawerk heißt es über Dr. Kurt Scharf:

Tätigkeit des Hilfspredigers Scharf
„Erwähnt sei noch die Tätigkeit des vom Konsistorium entsandten Hilfspredigers Scharf Ende Februar bis Mai 1928. Ich habe über sie stets freundliches und taktvolles Benehmen und Gutes gehört. Seine Predigten entbehrten nicht der Tiefe, schienen aber etwas akademisch geraten zu sein. Ich habe ihn (…) in bestem Angedenken behalten.“

Notiz von Pfarrer Fritz Brandenburg um 1928 in der Chronik der Kirchengemeinde Lautawerk um 1929, in: ELAB 32107/1, S. 66f.

Eilige Mitteilung über die Berufung von Dr. Kurt Scharf zum Hilfsprediger in Lautawerk vom 10.02.1928, in: ELAB 7/6538.